Selbstreflexion als Superkraft der Gedanken Teil 2 „Be your own chairperson“-wie du Selbstleitung als Kraftquelle im Alltag nutzen kannst

Eine gute Hilfestellung, um dich regelmäßig zu reflektieren, ist dir dein Konzept von Selbstleitung bewusst zu machen.
Wie leitest du dich durch den Alltag? Bist du streng zu dir? Setzt du dich unter Druck? Bist du konsequent in deinen Entscheidungen?
Übernimmst du Verantwortung für dich und Andere? Gehst du selbstfürsorglich mit dir um?

Das Chaiperson Postulat

Ruth C. Cohn hat in ihrem Konzept der themenzentrierten Interaktion für die Selbstleitung ein Postulat aufgestellt: „Sei deine eigene Chairperson.“ Chaiperson ist im deutschsprachigen Raum kein gängiger Begriff, er bezeichnet die höchste Leitungsperson in einem Unternehmen, die die größte Verantwortung trägt und die wichtigsten Entscheidungen trifft.

In ihrem Wortlaut beschreibt Ruth Cohn das Chaiperson-Postulat folgendermaßen:

„Sei dein eigener Chairman/Chairwoman, sei die Chairperson deiner selbst. 
Höre auf deine inneren Stimmen – deine verschiedenen Bedürfnisse, Wünsche, Motivationen und Ideen.
Gebrauche alle deine Sinne – höre, sieh, rieche und nimm wahr.
Gebrauche deinen Geist, dein Wissen, deine Urteilskraft, deine Verantwortung, deine Denkfähigkeit.
Wäge Entscheidungen sorgfältig ab. Niemand kann dir deine Entscheidungen abnehmen.
Du bist du wichtigste Person in deiner Welt, so wie ich in meiner.“

(Aus Cohn, Ruth C.: Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion – Von der Behandlung einzelner zu einer Pädagogik für alle . Klett-Cotta, Stuttgart, 17. Aufl. 2013)

Später ergänzte sie noch:

„ Sei du selbst (…). Sei dir deiner inneren Gegebenheiten und deiner Umwelt bewusst,
d.h. übe dich, dich selbst und andere wahrzunehmen, schenke dir und anderen die gleiche menschliche Achtung, respektiere alle Tatsachen so, dass du den Freiheitsraum deiner Entscheidungen vergrößerst.
Nimm dich selbst, deine Umgebung und deine Aufgabe ernst.
Nimm jede Situation deines Lebens immer wieder als Anstoß, deine Entscheidungen zu überprüfen und ggf neu zu ordnen.
Nimm und gib, wie du es verantwortlich für dich selbst und andere willst.

(aus Corsini, Raymond (Hrsg.): Handbuch der Psychotherapie. Psychologie Verlags Union, Weinheim, 4. Aufl.1994) 

Eine Selbstverpflichtung zum eigenen Wohlbefinden

Kannst du dich in dieser Beschreibung von Ruth C.Cohn wiederfinden?
Möchtest du auch deine eigene Chairperson sein?
Wenn du deine eigene Chairperson sein möchtest, machst du es dir zwar nicht immer einfacher, da es oft vielleicht leichter ist, Entscheidungen an andere abzugeben.
Du machst es dir ein Stück weit unbequem für dich und gleichzeitig befreist du dich aus unklaren Abhängigkeiten von anderen Personen oder eigenen Tendenzen die Selbstverantwortung abzugeben.
Das Chairperson Postulat ist wie eine Selbstverpflichtung für dich, dir gegenüber ehrlich zu sein und dich für dein Wohlbefinden einzusetzen. 

Selbstreflexion mit den acht Fragen des Chairperson Postulats

Gerade in Situationen. die sehr unklar erscheinen oder wenn es Konflikte mit anderen gibt, ist es hilfreich sich die grundlegenden Fragen des Chairperson Postulates zu stellen:

1) Höre ich auf meine inneren Stimmen, meine verschiedenen Bedürfnisse, Wünsche, Motivationen und Ideen?

2) Gebrauche ich alle meine Sinne, meinen Geist, mein Wissen, meine Urteilskraft, meine Verantwortung, meine Denkfähigkeit?

3) Wäge ich die Entscheidung ab oder versuche ich mir die Entscheidung von jemand anderem abnehmen zu lassen?

4) Schenke ich mir und anderen die gleiche menschliche Achtung?

5) Respektiere ich alle Tatsachen so, dass ich den Freiheitsraum meiner Entscheidungen vergrößere?

6) Nehme ich mich selbst, meine Umgebung und meine Aufgabe ernst?

7) Habe ich die Situation als Anstoß genommen, um meine Entscheidungen zu überprüfen und ggf neu zu ordnen?

8) Nehme und gebe ich, wie ich es für mich selbst und andere verantwortlich tun will?

Ein neues Leitungsverständnis entwickeln

Das Chairperson-Postulat lädt dich ein dich verantwortungsvoll und fürsorglich zu leiten.
Oft sind Begriffe wie Leitung und Führung eng mit Macht und Kontrolle verbunden. Bilder von streng militärischer Gehorsamkeit, Disziplin und Befehlen tauchen bei mir zum Begriff Führung auf.
Lange war mein Bild von Führung mit dieser Strenge verknüpft und ich habe schon in der Schule gegen diese Form von Leitung rebelliert.
Und doch habe ich selbst eine sehr strenge innere Leitungsperson entwickelt.
Ich habe einen echten Drill Sergeant in mir, obwohl ich nie Kontakt zur amerikanischen Armee hatte oder mich damit verbunden fühle.
Als ich anfing meine Art, mich zu leiten zu reflektieren, wollte ich gar nicht wahr haben, dass in mir so eine militante Person eine Stimme hat.
Das passte so gar nicht zu meinem Lifestyle und dem Bild von Lockerheit und Leichtigkeit mit dem ich mich viel lieber identifizierte.
Tatsächlich war ich zwar mit anderen Menschen immer sehr locker und leicht, aber zu mir selber sehr streng und kontrollierend.
Das Chaiperson Postulat hat mir geholfen, ein neues Bild von Leitung und Selbstleitung zu entwickeln.
Der Drill Sergeant ist zwar noch da, aber er leitet mich nicht mehr. Er hat jetzt andere Aufgaben, die besser zu ihm passen. Er ist jetzt normaler Offizier und kümmert sich zum Beispiel darum, die Chairperson zu beschützen.

Bewusste Selbstleitung in schwierigen Situationen

Meine Chairperson ist eine aktuelle Version meiner Selbst. Sie ist verbunden mit einem präsenten, wohligen Körpergefühl, einem mutigen Gefühl und klaren Gedanken. Wenn ich den Kontakt zu ihr nicht finden kann, erinnere ich mich an schwierige Situationen, durch die ich mich gut geleitet habe und versetze mich da hinein, um das Körpergefühl, die Emotionen und Haltung wieder hervorzuholen. 
Eine Situation ist mir noch sehr präsent. Ich hatte mal einen Vorgesetzten, der mich immer wieder angeschrien hat. Ich war da jedes Mal wieder so überrascht und entsetzt davon, dass ich richtig erstarrt bin und nicht handeln konnte. 
Es hat mich sehr verletzt und verunsichert. Zum Glück hatte ich zu dem Zeitpunkt einen Coach, da ich einen neuen Arbeitsbereich aufgebaut habe und dafür Begleitung bekommen habe. 
Mit ihm habe ich reflektiert, was in diesen Situationen passiert und warum meine Chairperson nicht reagiert. Als verantwortungsbewusste und fürsorgliche Chairperson durfte ich es mir einfach nicht gefallen lassen mich so behandeln zu lassen. 
Es hat mir dann sehr geholfen, in der nächsten Situation in der ich angeschrien wurde, mich als Chairperson zu fühlen und eine Grenze zu setzen. Ich konnte auch ganz ruhig formulieren,  meinem damaligen Vorgesetzten sagen, er solle sofort aufhören mich anzuschreien, und ihm klar machen, dass ich bereit war weitere Schritte einzuleiten, wenn er nicht sofort aufhörte.
Das Gefühl danach, den Mut gehabt zu haben, mich so für mich einzusetzen, klar und bestimmt zu bleiben, mich stark und selbstwirksam zu erleben, habe ich in guter Erinnerung. 
Genauso fühlt es sich an, wenn ich Chairperson bin. 

Selbstleitung im Alltag und als Lebensaufgabe

Im Alltag sind es viel öfter die kleinen Konflikte mit mir selber, in denen ich mich immer wieder mit meiner Chairperson verbinde. Wenn ich sitze und schreibe zum Beispiel. Dann weiß ich genau, dass ich Pausen brauche und mir aufstehen und mich bewegen gut tut. 
Trotzdem brauche ich immer wieder einen Schubs, um mich an meine Selbstfürsorgepflicht zu erinnern und dann wirklich Pause zu machen.
Das sind dann so kleine Chairperson- Entscheidungen im Alltag, die mir gut tun und mir helfen, mehr Kraft zu haben.
Das Chaiperson-Postulat und die damit verbundene Art mich zu leiten, begleitet mich seit über 10 Jahren und ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich mit der Entwicklung zur Chairperson abgeschlossen habe. Die Welt und ich verändern sich permanent, da bin ich herausgefordert immer wieder neu zu schauen, was denn gerade verantwortungsvolle Entscheidungen sind. 
Es bleibt ein Dauerthema, mich immer wieder neu als Chairperson zu positionieren.

Selbstleitung als Kraftquelle

Vielleicht siehst du das auch als eines deiner Lebensthemen, Chairperson zu sein. Mit einer bewussten Selbstleitung im Alltag als Chairperson machst du es dir zwar nicht immer leichter, doch du wirst mehr selbstfürsorgliche Entscheidungen für dich treffen und damit mehr Dinge im Alltag tun, die dir Kraft geben. Deshalb reflektiere deine Art dich zu leiten und entscheide dich dafür dich bewusst zu leiten, dann wird deine Selbstleitung zu deiner Kraftquelle.
Wenn du merkst, dass es dir schwer fällt, dich im Alltag selbstfürsorglich als Chairperson zu leiten, dann melde dich gerne für ein Coaching bei mir. 
Ich unterstütze dich dabei, deine Chaiperson weiter zu entwickeln, damit du klarere Entscheidungen triffst, die dafür sorgen, dass du mehr Kraft im Alltag hast.

Ich wünsche dir einen kraftvollen Alltag!

Deine Nana

P.S: Deine Selbstleitung ist deine Kraftquelle